Jahresprogramm 2019

Auch 2019 bietet der Bienenzuchtverein Plattling eine Reihe von Schulungen und Informationsveranstaltungen an

Varroa ohne Ende

Der Bienenzuchtverein Plattling lädt am Dienstag, 16. Juli zu einer Schulung über die Behandlung der Bienenvölker gegen die Varroamilbe ein. In der Fortbildung wird Friedrich Schürzinger, der ehemalige Leiter des Prüfhofes Kringell, den Schwerpunkt auf Methoden legen, die Milben mit den verdeckelten Brutwaben aus den Völkern zu entfernen. Das bietet sich an, da sich die Milben sich in der verdeckelten Brut vermehren. Schürzinger wird erläutern, was Imker dabei beachten müssen und was sie mit den Brutwaben voller Milben tun können. Die Fortbildung findet am Lehrbienenstand im Infohaus Isarmündung statt und beginnt um 18.00 Uhr

Spurensuche im Bienenvolk

Viele Imkerinnen und Imker haben im Infohaus Isarmündung von Erhard Härtl, dem Fachberater für Bienenzucht in Niederbayern erfahren, „was sie alles sehen, wenn sie in ihr Volk schauen“.

Die Imker haben ihre Völker sehr unterschiedlich überwintert“, wusste Härtl von zahlreichen Außenterminen, zu denen er derzeit unterwegs ist. Er findet an einem Bienenstand sehr gut entwickelte Völker, die schon zwei Kästen füllen, sehr schwache Völker mit wenigen besetzten Waben, aber auch leere Kästen.

„Jetzt schieben die Völker an“, sagte er, es gebe viel offene und verdeckelte Brut, die Völker brauchen Platz. Imker sollen ihre Völker jetzt genau beobachten, um zu wissen, wie es ihren Bienen gehe und was sie tun müssen. Da müsse man die Völker nicht unbedingt stören und jede Wabe einzeln herausziehen. Schon ein Blick an das Flugloch verrate, ob viele Bienen im Volk leben oder ob das Volk schwach ist. Tragen die Bienen Pollen ein, weist das darauf hin, dass die Königin fleißig Eier legt. Kotspritzer am Flugloch deuten auf die Durchfallkrankheit Nosema hin. Krabbeln Bienen orientierungslos vor dem Flugloch herum oder räumt ein Volk morgens viele Tote Bienen heraus, und passiere das bei allen Völkern an einem Stand und auch bei den Nachbarn, könne eine Vergiftung die Ursache sein. Um das abzuklären solle der Imker die Bienen zur Untersuchung einschicken und den Pflanzenschutzdienst am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bitten, eine Pflanzenprobe von dem Acker, der als Ursache der Vergiftung in Frage kommt, zu nehmen.

Manchmal, besonders an heißen Tagen hängen viele Bienen abends und Nachts in einer Traube vor dem Flugloch. Dann ist es ihnen innen zu heiß und zu eng.


Wichtige Hinweise gibt auch eine Bodeneinlage, die Imker aus einem modernen Bienenstock einfach herausziehen können. Wenn derzeit jeden Tag mehr als zwei Varroamilben abfallen, müsse man das Volk sehr genau im Auge behalten und bald einen Drohnenrahmen einhängen, mahnte der Fachberater. Varroamilben gehen gerne in Drohnenbrut, diese können die Imker dann ausschneiden und so die Belastung mit der Varroamilbe verringern. Wachsdeckel auf der Einlage zeigen, wo sich das Brutnest befindet und wie groß es ist, kleine drurchsichtige Wachsschüppchen zeigen, dass die Bienen fleißig Waben ausbauen.

Wenn Imker verhindern wollen, dass ihre Völker schwärmen, müssen sie sich einen Überblick über die Schwarmstimmung verschaffen. Dazu kippen sie den Kasten an und schauen nach, ob das Volk unten an den Rähmchen große, nach unten offene Weiselzellen angelegt haben. Sind diese Zellen nur kurze Spielnäpchen, ist will das Volk noch nicht schwärmen. Sind sie etwa so lang wie das oberste Glied des kleinen Fingers, enthalten sie schon die Larve einer jungen Königin und sind und verdeckelt, wird bald ein Schwarm abgehen.

Wenn Imker Waben aus dem Bienenstock ziehen, hoffen sie zur Zeit, ein schönes, geschlossenes Brutnest zu sehen. Härtl warnte davor, dass es in den nächsten Tagen so kalt werden könne, dass die Bienen nicht ausfliegen können und ausreichend Futter und Wasser für die Brut zu holen. Da müsse man darauf achten, ob noch genügend Futter im Stock vorhanden sei.


 

Bienenwachs gewinnen und verarbeiten

Die Imker konzentrieren sich auf den Honig und das Wachs laufe so neben her, hat Josef Röckl, Wachsverarbeiter aus Grafenau auf seinem Vortrag über das Bienenwachs bedauert. Um zu zeigen welch wunderbares und vielseitiges Material das Bienenwachs ist, wie Imker es gewinnen und worauf sie achten müssen, wenn sie es verarbeiten, haben Josef Hasenöhrl und Theo Günthner, die Vorsitzenden des Bienenzuchtvereins Plattling Röckl als „jemanden, der sich mit Bienenwachs auskennt“ zu einer Fortbildung an den Lehrbienenstand im Infohaus Isarmündung eingeladen.

Rund 50 Interessierte erfuhren, dass Bienenwachs eigentlich weiß ist, wenn es die Bienen zwischen ihrem 12. und 18. Tag ihres Lebens aus den Wachsdrüsen zwischen den Schuppen am Hinterleib herausschwitzen. Das typische Gelb bekomme es erst durch die Farbstoffe des Blütenpollens, erklärte Röckl. Damit kommt das Wachs in Berührung, wenn es die Bienen mit den Pollenkämmen an den Hinterbeinen zu ihren Mundwerkzeugen befördern. Im Bienenstock ist es zwischen 30 und 35 Grad Celsius warm - genau die richtige Temperatur, um das Wachs zu verkneten und Waben daraus zu bauen. Eine Wachsschuppe wiegt 0,8 Milligramm. Ungefähr 30 Gramm Wachs benötigen die Bienen, um auf einer Mittelwand die Waben auszubauen, in die die Königin Eier legt oder in denen das Bienenvolk den Honig speichert. Eine Mittelwand, die die Imker in ein 20 cm mal 40 cm großes Rähmchen einlöten, wiegt ungefähr 80 Gramm. Die chemischen Verbindungen - die Fette und Fettsäuren - im Bienenwachs enthalten sehr viel Energie. Röckl schätzte, dass ein Bienenvolk ungefähr so viel Energie verbraucht, wie in 13 Kilo Honig enthalten ist, um 1 Kilo Wachs herzustellen.


Bienenwachs sei ein Stoff, der einmalig in der Insektenwelt sei, erklärte Röckl. Keine andere Tierart könne so ein Wachs erzeugen. Es sei ein Gemisch aus 300 verschiedenen Stoffen, hauptsächlich Fette – Ester aus Glyzerin und langkettigen Fettsäuren - etwa einem Siebtel freier Fettsäuren und einem Siebtel anderer Kohlenwasserstoffe. Ein Prozent der Inhaltsstoffe sind Alkohole, sie geben dem Wachs seinen typischen Geruch.

In dem Fett des Wachses lösen sich die Farbstoffe der Pollenkörner und das Propolis, mit dem die Bienen Ritzen zuschmieren und ihre Wohnung desinfizieren. Wer weiße Kerzen mache wolle, müsse das Wachs in der Sonne bleichen oder ein chemisches Bleichmittel verwenden, sagte Röckl. Andere Verunreinigungen, die in das Wachs gelangen, etwa die Madenhäutchen, aus denen die Bienen geschlupft sind, sind wasserlöslich. Diese Reste können Imker entfernen, wenn sie das Wachs mit Wasser aufkochen. Wenn das Wachs fest wird, schwimmt es oben auf, der Dreck sammelt sich am Boden des Kochgefäßes. Röckl empfahl zum Reinigen des Wachses nur weiches Wasser zu benutzen, da sich mit dem Kalk Seifen bilden. Weil das Wachs viele Säuren enthält empfahl Röckl Edelstahlgefäße zu verwenden. Andere Metalle greift das Wachs an. Das Gefäß würde sonst löchrig und das Wachs unansehnlich rot-grau-braun. Weil Bienenwachs ein Gemisch aus vielen Stoffen ist, hat es keinen spezifischen Schmelzpunkt. Es schmilzt etwa bei 62-64 Grad. Flüssiges Wachs wird bei ca. 58 Grad fest.

Der Schmelzpunkt und die Menge an freien Fettsäuren geben Hinweise auf die Qualität des Wachses- etwa ob ein Hersteller von Mittelwänden das Wachs mit Paraffin oder Stearin gestreckt hat.

Am sichersten sei es für die Imker, wenn sie ihren eigenen Wachskreislauf haben, sagte Röckl. Sie nehmen dunkle, öfter bebrütete Waben aus dem Volk, schmelzen das Wachs aus. Mit dem Wachs und aus dem Deckelwachs könne man dann seine eigenen Mittelwände machen lassen.

Röckl walzt die Mittelwände. Gewalzte Mittelwände sind elastischer als gegossene. Er wird von Kunden immer wieder gebeten, neben dem Standard-Wabenmaß von 5,4 mm auch auch Mittelwände mit kleineren, 5,1 mm großen Zellen herzustellen. In kleineren Zellen sei die Brut enger beieinander, und deswegen wärmer. Dann entwickeln sich die Larven schneller und möglicherweise haben die Varroamilben in kleineren Zellen nicht so viel Platz und Zeit sich zu vermehren.

Rähmchenwaschtag

Zwei Helfer spannen die Rähmchen in einen Halter, ...
In kochender Waschlauge werden die Rähmchen hygienisch sauber
In drei Stunden gemeinsamer Arbeit haben die Imkerinnen und Imker 3000 Rähmchen gewaschenen
Wer noch Rahmen mit Waben hatte, konnte im Dampfwachsschmelzer das Wachs aus den Waben gewinnen
Nach getaner Arbeit schmeckte tat eine gemeinsame Brotzeit gut

Es schneit.


Der beste Platz ist direkt vor einem der Waschbottiche. Das Feuer, das das Wasser und die Lauge zum kochen bringt, ist durch ein Blech abgeschirmt, es wärmt angenehm. Aber Imker, die auf diesem Platz stehen, haben die meiste Arbeit: Gut geschützt mit Gummistiefeln, Handschuhen und einer laugenfesten Schürze tauchen sie Halter mit ungefähr 10 Wabenrähmchen in die kochende Brühe: Erst in kochendes Wasser , dann ein paar mal in verdünnte Natronlauge, dann wieder zum Ausspülen in kochendes Wasser.

Rund 30 Imkerinnen und Imker
haben sich bei Josef Hasenöhrl, dem 2. Vorsitzenden des Bienenzuchtvereins Plattling, getroffen, um leere Rähmchen zu reinigen. Im Sommer haben die Bienenvölker in den Rähmchen Waben ausgebaut, um dort Brut zu füttern und Honig zu lagern. Im Winter kuscheln sich die Völker in einer Wintertraube eng zusammen. Weil sie da nicht so viel Platz brauchen, haben Imker Waben aus dem Volk entnommen und können dunkles Wachs auszuschmelzen und die Rähmchen zu reinigen.

Es dampft und schaut aus wie in einer Hexenküche,

doch es ist keine Hexerei:
Das Institut für Bienenkunde und Imkerei an der staatlichen Landesanstalt für Wein und Gartenbau empfiehlt in seinem Merkblatt „Reinigung und Desinfektion“, alle nicht besetzten Beuten, Rähmchen und Geräte zu desinfizieren, bevor sie wieder in ein Bienenvolk eingesetzt werden. Die Krankheitserreger auf diesen Rähmchen oder Beuten würden gesunde Völker

unnötig belasten oder gar zum Erkranken der Völker führen. Kochende Natronlauge tötet Krankheitserreger ab und löst Wachsreste und Dreck von den Rähmchen.

Für einen alleine ist es zu aufwändig,
und zu Hause kann kein Imker vernünftig seine Rahmen waschen“, sagt Georg Schwarz, BZV-Vorstandsmitglied. Man könne das alte Wachs vielleicht abkratzen, aber so hygienisch sauber wie hier werden die Rähmchen nicht. Schwarz hat den Waschtag organisiert, die Imkerinnen und Imker angeschrieben, den Bedarf abgefragt. Er selber hatte 120 Rähmchen, manche nur 20, andere eine ganzen Anhänger voll. Bienenzüchter Hans Obermeier aus Dornwang ist knapp 40 Kilometer weit gefahren, um dabei zu sein. Er freute sich, dass auch Imker aus anderen Vereinen willkommen waren. Schwarz schätzt, dass an diesem Tag fast 3000 Rähmchen wieder wie neu geworden sind. „Wenn ein Rähmchen 1,20 € kostet, haben wir mit „Aus Alt mach Neu“ an diesem Tag eine Wertschöpfung von 3600€ erreicht“, vermutet er.

Es sei toll, dass Hasenöhrl so gut angerichtet sei und die Imkerinnen und Imker zu ihm auf den Hof kommen dürfen.

Wer Rähmchen hatte, die noch nicht ausgeschmolzen waren , konnte heuer erstmals das Wachs in einem Dampfwachsschmelzer gewinnen und die leeren Rähmchen anschießend waschen.

Das gemeinsame Rahmenwaschen sei ein wichtiger Event für den Bienenzuchtverein, findet Schwarz.

Die Imkerinnen und Imker arbeiten Hand in Hand,
da gehe es sehr schnell: Zwei spannen die Rähmchen in den Halter, zwei spülen sie im Lauge und Wasser, zwei reinigen mit dem Hochdruckreiniger nach, zwei lösen sie aus dem Halter und verpacken sie wieder in Schachteln oder Kästen. Die Rähmchen duften angenehm nach Bienenwachsseife und sind hygienisch sauber. Eine gute Voraussetzung, ins Bienenjahr zu starten, wenn die Tage wieder wärmer werden.

Bereits kurz nach Mittag war die Arbeit geschafft und die Imkerinnen und Imker stärkten sich mit einer Brotzeit. Es sei ein schöner Abschluss, meinte Schwarz, wenn man nach gemeinsamer Arbeit noch zusammen sitze und sich austauschen könne.


Hier finden Sie Berichte über Schulungen im Jahr 2018

Hier finden Sie Berichte über die Veranstaltungen im Jahr 2017