Jahresprogramm 2020

Auch 2020 bietet der Bienenzuchtverein Plattling eine Reihe von Schulungen und Informationsveranstaltungen an.

Hier finden Sie das Jahresprogramm

Eine Landkarte in einem Sandkorn

Im vollbesetzten Saal des Infohaus Isarmündung begrüßte Rochus Gold, der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Plattling, Professor Randolf Mmenzel als exzellenten Kenner des Gehirns der Honigbiene. (Foto: Summer)
Rochus Gold im Gespräch mit Randolf Menzel

Professor Randolf Menzel, emeritierter Professor am Institut für Biologie der Freien Universität Berlin hat einem interessierten und faszinierten Publikum im Infohaus Isarmündung einen Einblick in die Sinnesleistung, Lernfähigkeit und Kommunikation unserer Honigbiene gegeben. Seit seiner Doktorarbeit über das Farbenlernen der Bienen hat sich Menzel damit beschäftigt, was im Gehirn der Bienen passiert, wenn sie Eindrücke wahrnehmen, lernen, sie speichern und erinnern. Das Gehirn ist kaum größer als ein Sandkorn, für einen Gehirnforscher ideal, weil es so übersichtlich ist. „Bienen haben ein fantastisches Gedächtnis und Lernvermögen“, sagte Menzel.

erstaunliche Leistung

Schon bei der Wahrnehmung passiert Erstaunliches. Mit den Antennen können die Bienen beispielsweise Düfte unterscheiden. Jeder Duft löst im Gehirn in einer Region mit 160 Zellen ein ganz spezifisches Muster aus aktiven und passiven Zellen aus. 200 mal pro Sekunde können die Bienen mit ihren Antennen einen Duft wahrnehmen. Im Gehirn der Bienen werden Gerüche zu Mustern, 200 Muster pro Sekunde.

„Diese Antennen sind ein ganz unglaubliches Organ“, sagte Menzel: Bienen riechen damit, sie können Strukturen wahrnehmen, Temperaturen, Feuchtigkeit, Kohlendioxidkonzentration und elektrische Felder. Die Elektrische Spannung ist ein ganz wichtiges Kommunikationsmittel im Bienenstock. Jede Biene ist mit einer Spannung von 100 bis 300 Volt aufgeladen. Bei der Kommunikation der Bienen untereinander, etwa beim Schwänzeltanz, mit dem eine Sammelbiene den anderen mitteilt, wo eine gute Futterquelle ist, ändert sich die Spannung etwa 10 mal pro Sekunde. Dieses tiefe Singen kann man – ähnlich einem EEG, mit dem bei einem Menschen Gehirnströme gemessen werden - aufzeichnen. Diese Signale in verschiedenen Frequenzbereichen zeigen, wie aktiv ein Bienenvolk gerade ist.

In seiner Doktorarbeit hat Menzel herausgefunden, dass Bienen nicht nur Farben lernen und sich merken können. Sie sind auch in der Lage, Regeln zu lernen. Beispielsweise konnte er ihnen beibringen, dass sie eine Belohnung bekommen, wenn sie durch ein Loch, das mit einer bestimmten Farbe markiert ist, in einen Versuchskasten fliegen und dann zu einer Futterstelle mit der gleichen Farbe. Dieses Wissen können sie auf andere Situationen über tragen, beispielsweise, wenn Einflugloch und Futterstelle mit Düften oder Mustern markiert waren.

Lernen wie die Menschen

Wie die Menschen lernen Bienen im Schlaf, sie speichern ihre Eindrücke im Gedächtnis. In Versuchen konnte Menzel zeigen, dass sich die Bienen auf ersten Orientierungsflügen eine Landkarte von der Umgebung des Bienenstocks einprägen und auf dieser dann die Informationen über die Lage einer Futterstelle aufzeichnen. Im Schwänzeltanz teilt eine Sammlerin ihren Kolleginnen Richtung und Entfernung – den Vektor - der Futterstelle mit. Werden die Bienen dann an einer ganz anderen Stelle ausgesetzt, zeigt sich, dass sie sich orientieren und nicht einfach dem Vektor in eine bestimmte Richtung folgen, sondern zu der Futterstelle fliegen. Werden Bienen beim Heimflug von einer Futterstelle gefangen und ganz woanders ausgesetzt, folgen sie zunächst dem gewohnten Vektor, merken aber schnell, dass etwas nicht stimmt, und orientieren sich dann auf dem Weg zum Bienenstock am Gelände.

Wenn man bedenkt, dass eine Biene für ein Kilogramm Honig etwa 5 bis 8 Millionen Blüten besuchen und dabei 120.000 bis 180 000 Kilometer zurücklegen würde, kann man sich vorstellen wie überlebenswichtig es für das Bienenvolk ist, dass die Orientierung so effektiv wie möglich klappt und die Wege so kurz wie möglich sind.

Pflanzenschutz macht Bienen vergesslich

Da setzte Menzels Kritik an den Pflanzenschutzmitteln aus der Gruppe der Neonicotinoide an. Die wirken auf die Gehirnprozesse. Im Gehirn spielen Zellen eine wichtige Rolle, die durch Nikotin stimuliert werden können. Neonicotinoide binden sich untrennbar an diese Zellen und machen sie funktionsunfähig. In Experimenten, in denen er Bienen sehr geringe Dosen des Wirkstoffes Thiacloprid gegeben hatte, zeigte Menzel, dass die Bienen nicht starben, aber dass die Sammlerinnen nur schwer oder gar nicht in den Stock zurück fanden und dass im Volk die Schwänzeltänze nicht mehr statt gefunden haben.

Thiacloprid gilt als bienenungefährlich, weil es die Bienen nicht umbringt. Aber wenn eine Schwelle überschritten werde, dann sterbe das Volk und dann sei die Ursache eigentlich nicht mehr feststellbar: War es die Varroamilbe oder das Pflanzenschutzmittel?

In der Diskussion im Anschluss an den Vortrag zeigte er sich zufrieden, dass die Neonicotinoide nicht mehr verwendet werden dürfen, um Samen zu beizen. Denn der geringste Teil des Wirkstoffes werde von den Pflanzen aufgenommen. 95% bleiben jahrelang im Boden, die Stoffe sind wasserlöslich und können von den Pflanzen aufgenommen werden, die Jahre später auf diesem Feld wachsen. Wenn das dann Blühstreifen seien, bekämen die Bienen vergiftete Nahrung.

Menzel regte an, dass bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln nicht nur getestet würde, bei welcher Dosis die Hälfte von Tieren einer Art (LD 50) stirbt, sondern auch wie sie sich im Boden und Wasser verhalten, welche Wechselwirkungen sie haben und wie ihre Ökobilanz sei.

wir müssen umdenken

Der Vortrag sei ein grandioser Einstieg in das Bienenjahr gewesen, dankte Rochus Gold, der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Plattling, dem Referenten Randolf Menzel. Er sehe seine Ausführungen auch als Denkanstoß, welche Landwirtschaft wir in Zukunft haben wollen. Über Jahrzehnte habe sich ein teures und komplexes integriertes Pflanzenschutzsystem entwickelt, um ausreichend Nahrungsmittel für immer mehr Menschen zu produzieren. Da seien nicht alle Auswirkungen bedacht worden.

Sein Eindruck sei, dass die Menschen gerade aufwachen und Dinge erkennen, die aus dem Ruder gelaufen sind, so Gold. Da spielen auch die Bienen als Bioindikator eine wichtige Rolle. Der Gesellschaft müsse ein Umsteuern und Umdenken in der Landwirtschaft etwas wert sein.


Hier finden Sie Berichte über Schulungen im Jahre 2019

Hier finden Sie Berichte über Schulungen im Jahr 2018

Hier finden Sie Berichte über die Veranstaltungen im Jahr 2017