Kooperationsprojekt mit dem Bezirksklinikum Mainkofen kommt ins Fernsehen

Dreharbeiten im Bienenhaus (Foto: Summer)
Dreharbeiten im Bienenhaus
Die Fernsehzuschauer sollen gut hören können, was der Imker sagt (Foto Summer)
Der Imker bekommt einen Sender angesteckt
Erhard Härtl, der staatliche Fachberater für Bienenzucht in Niederbayern hat für die Filmaufnahmen einen Lehrbienenstand aufgebaut.
(Foto: Summer)
Erhard Härtl erklärt, was Imker wissen müssen

„Ich bin entspannt“, sagt Petru. Nur so geht es, das hat er schon gelernt. Er steht an einem Kasten mit Bienen. Den Deckel hat er abgenommen, vorsichtig hebt er die Plastikfolie ab. Konzentriert schüttelt er die Folie mit einer kleinen Bewegung, Bienen fallen zurück in den Stock. Jetzt könnten sie ihm ins Gesicht fliegen und ins Augenlid stechen. Tun sie aber nicht, sie krabbeln in die Wabengassen zu ihren Kameradinnen und Kameraden. Zwischen Petru und den Bienen gibt es jetzt nur noch Ruhe und Konzentration. Dass sich eine Traube von Menschen ins Bienenhaus drängt, dass eine Filmkamera genau dokumentiert, was er tut, ist jetzt unwichtig. Dass er in seinem Leben oft an Drogen gedacht hat und ihnen alles andere untergeordnet hat, daran darf er jetzt nicht denken. Vielleicht motoviert es ihn, dass er in der forensischen Station des Bezirksklinikums Mainkofen eine Chance bekommt, neu anzufangen – ohne Drogen und Kriminalität. Dabei können ihm die Bienen helfen. Tiergestützte Therapie heißt das.

"Tiere und Forensik ziehen immer"

Filmautor Tom Fleckenstein findet diese Therapieform so interessant, dass er für das bayerische Fernsehen eine Dokumentation darüber dreht. „Tiere und Forensik ziehen immer“, sagt er. Am 3. Oktober 2017 stellt er er die Methode in der Serie „Stolperstein“ vor. In Mainkofen wird er auch die Sozialpädagogin Regina Gröller mit ihrem Therapiehund begleiten und in ein Aquarium schauen. In Schwarzach wird das Team Patienten bei einem Spaziergang mit Alpakas filmen. Dann geht es noch nach Vogtareuth und Garching. Er möchte darstellen, was passiert, wenn Menschen mit Tieren arbeiten. Ihn interessieren die Erfolge in der Therapie. Da spielen die Bienen eine besondere Rolle. Sie sind keine Kuscheltiere.

Kooperationsprojekt

Langsam und vorsichtig fasst Petru ein Rähmchen an beiden Enden an und zieht es nach oben. Was er auf der Wabe sieht, verrät ihm, wie es den Bienen geht. Vielleicht ist er froh, dass Josef Hasenöhrl neben ihn steht. Der stellvertretende Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Plattling züchtet seit mehr als 30 Jahren Bienen. Mit seiner Erfahrung und Gelassenheit hat er schon viele Imker mit ihrem ersten Volk begleitet. Er weiß, wann man den Bienen getrost zuschauen kann, und wo man eingreifen muss. „Da sind viele Weiselzellen“ sagt er und deutet auf eine kleine Röhre, groß wie die Spitze eines kleinen Fingers. Am unteren Ende ist sie noch offen. Wenn Petru die Wabe so dreht, dass er in die Zelle hineinschauen kann, sieht er weißliches Gelee Royal glänzen. „Hier machen sich die Bienen eine neue Königin“, erklärt Hasenöhrl. Sobald die Weiselzelle verdeckelt ist, und das Wetter passt, zieht die alte Königin mit einem Teil der Arbeitsbienen und einem Honigvorrat aus und sucht sich einen neuen Unterschlupf.

So vermehren sich die Bienen, aber Imker sind nicht begeistert, wenn sie auf Bäume klettern müssen, um die Völker wieder einzufangen. „Wir wollen nicht, dass die Bienen schwärmen, deswegen müssen wir alle Weiselzellen suchen und ausbrechen“, erklärt Hasenöhrl. Das heißt, Petru muss nun jede der 10 Waben vorsichtig herausziehen, die Bienen abkehren, die großen Weiselzellen suchen und sie ausbrechen. Das ist anstrengend, viele Bienen fliegen auf, summen im Bienenhaus herum. Gut, dass auch Stefan und Ötzi dabei sind. Wenn er nervös wird, sind sie an der Reihe.

Mal etwas anderes

„Für uns ist die Kooperation mit dem Bienenzuchtverein sehr wertvoll“, sagt Silke Lederbogen, die Leiterin der Abteilung „Tiergestützte Intervention“ am Bezirksklinikum. 2013 bat sie Erhard Härtl, den staatlichen Fachberater für Bienenzucht in Niederbayern um Unterstützung. Sie wollte ausprobieren, ob die Arbeit am Bienenvolk den Patienten gut tut. Härtl vermittelte den Kontakt zum Bienenzuchtverein Plattling. „Normalerweise drehen sich die Gespräche der Patienten mit den Therapeuten nur um ihre Situation: Wie haben sie geschlafen, wie kommen sie ohne Drogen zurecht, mit dem Suchtdruck“, erklärte sie. Mit den Imkern ist das Gesprächsthema: Wie geht es den Bienen, was muss man tun.“ Und: Wie muss ich mich verhalten, dass sie mich nicht stechen. Stiche sind schmerzhaft. Das sei eine ganz andere, menschliche Ebene, freut sich Lederbogen. Für sie ist auch die Inklusion wichtig: Die Imker lernen die Patienten als Menschen kennen und die Patienten nehmen an Schulungen teil und treffen Leute, die außerhalb ihrer sozialen Gruppe stehen.

Fedback kommt sofort

„Man hat etwas gemacht, es war wichtig“, sagt Petru erleichtert. Der Deckel ist wieder auf dem Volk, im Bienenhaus wird es wieder ruhig. Wenn die Patienten alle Weiselzellen erwischt haben, dann bleibt die alte Königin erst einmal da, legt weiter Eier und die Arbeitsbienen tragen Nektar ein, und machen daraus Honig. „Viele der Patienten haben keinen Kontakt zu ihren Gefühlen“, erzählt Betreuerin Gerti Zitzelsberger. Die Bienen zeigen ihnen ehrlich, wie es ihnen geht. Sind sie hektisch oder nervös, sind auch die Bienen unruhig und stechen. Das macht für Zitzelsberger die Arbeit mit den Bienen sehr wertvoll. Die Patienten bekommen auch bei der Arbeit mit dem Volk unmittelbar eine Rückmeldung: Haben sie eine Weiselzelle übersehen, schwärmt das Volk. Haben sie die Königin aus Versehen zerdrückt, wird eine Arbeiterin anfangen, Eier zu legen, dann gibt es im Volk nur noch Drohnen. Klappt die Varroabehandlung nicht, stirbt das Volk. Machen die Patienten alles richtig, und passt das Wetter, werden sie mit süßem Honig belohnt.