Honigkurs mit Zertifikat

Wenn die Imkerinnen und Imker den Honig aus der Wabe im Bienenstock auf den Frühstückstisch eines Kunden bringen, müssen sie 17 Verordnungen, Gesetze, Vorschriften und Hinweise beachten. Das hat Erhard Härtl, staatlicher Berater für Bienenzucht in Niederbayern auf einem Honigkurs des Bienenzuchtvereins Plattling erklärt.

Bis Honig auf der Frühstückssemmel landet, haben Pflanzen, Tiere und der Imker viel Vorarbeit geleistet: Aus Sonnenschein, Kohlendioxid und Wasser ist ein wertvolles Lebensmittel voller Energie, Mineralstoffen und Enzymen geworden.

„Reifer Honig in der Wabe hat die höchste Qualität, wir als Imker müssen dafür sorgen, dass diese Qualität auf dem Weg in das Honigglas erhalten bleibt“, sagte Härtl. Machen Sie sich bewusst, dass Sie mit einem empfindlichen Lebensmittel arbeiten, verwenden Sie beim Schleudern und Verarbeiten lebensmittelechte Materialien, Glas, Kunststoff oder Edelstahl.

Der Raum, in dem die Imker den Honig schleudern muss abwaschbare Böden und Wände haben, der Honig muss kühl, und möglichst Luftdicht abgeschlossen gelagert werden, damit der Honig keinen Wasser zieht und die Aktivität der Enzyme, die die Bienen dem Honig hinzugefügt haben, lange erhalten bleibt. Lebensmittelkennzeichnungsverordnung und Fertigverpackungsverordnungen sorgen dafür, dass die Verbraucher wissen, was in einem Honigglas ist.

 

DIB setzt Qualitätsstandards

Bereits im Jahre 1925 hat der Deutsche Imkerbund (DIB) seine Mitglieder dazu angehalten sauber und ehrlich zu arbeiten. Er hat ein Glas mit Deckel und Deckeleinlage und Gewährverschluss entworfen. Verbraucher sollen wissen, dass der Honig im DIB-Glas regelmäßig kontrolliert wird und hohen Anforderungen entspricht. Die Anforderungen an den Honig im DIB-Glas sind höher, als EU-Honigverordnung. Beispielsweise darf der Honig im DIB-Glas nur 18% Wasser enthalten, laut EU Verordnung dürfen es 20% sein. Die Aktivität des Enzyms Invertase, das Doppelzucker in die Einfachzucker Fruktose und Gluckose spaltet, spielt in der EU Verordnung keine Rolle, die bestimmt, wie aktiv das unempfindlichere Enzym Diastase, dass Stärke spaltet, ist.


Mitglieder der Imkereivereine des DIB dürfen das Glas erst dann verwenden, wenn sie nachweisen, dass sie in einer Schulung gelernt haben, wie sie die Qualität vom Rohstoff bis in das Glas erhalten. Sie benutzen das Glas gerne, da das Etikett bereits den Anforderungen verschiedener Verordnungen gerecht wird: Echter Deutscher Honig steht unter anderem darauf, auf Amtsdeutsch: die Verkehrsbezeichnung „Honig“ und das Herkunftsland Deutschland. Ein Eindruck verrät Name und Anschrift des „Inverkehrbringers“. Der Landesverband bayerischer Imker hat klargestellt, dass Hobbyimker mit dem Mehrwegglas von der Bürokratie der Systembeteiligungspflicht der Verpakungsverordnung befreit sind.

gerührter Honig bleibt streichfähig

Jeder Honig bildet nach einiger Zeit Kristalle. Honige mit viel Traubenzucker schneller, Honige mit mehr Fruchtzucker langsamer. Rapshonig beispielsweise wird in wenigen Tagen so hart, dass man ihn kaum mehr aus dem Glas heraus bringt. Honige mit Honigtauanteilen bilden nach einigen Monaten grobe Kristalle, die auf den Boden des Glases sinken. Härtl gab den Imkerinnen und Imkern Tipps, wie sie den Honig rühren können, damit er schön cremig und streichfähig wird.

„Wir wissen alle, dass Honig gesund und wertvoll ist, doch Imker sind keine Ärzte und Apotheker, deswegen dürfen sie keine gesundheitsbezogenen Aussagen machen“, warnte der Fachberater. Man könne nur von eigenen Erfahrungen erzählen. Härtl beispielsweise pflegt nach einem Vortrag seine Stimme mit einem Löffel Honig. Oder man könne Inhaltsstoffe nennen, beispielsweise das Enzym Glucoseoxidase, das an der Luft Traubenzucker oxidiert und dabei Wasserstoffperoxid freisetzt. Das ist ein Desinfektionsmittel.


Die Menge der Verordnungen und Vorschriften die sie beachten müssen, die Freude an ihrem schönen, naturverbundenen Hobby und dem süßen Honig bei einigen Imkerinnen und Imkern etwas getrübt.

Wir züchten Königinnen

Zuchtobmann Theo Günthner (l.) und Reinzüchter Franz Krieger erklärten, was man braucht und wissen muss, um Königinnen zu züchten

Auf der Fortbildung Königinnenzucht des Bienenzuchtvereins Plattling am Lehrbienenstand im Infohaus Isarmündung hat Franz Krieger, Bienenfachwart und Königinnenzüchter aus Frontenhausen, die Imker ermuntert, selber Königinnen zu züchten. „Probiert es einfach, macht Eure Erfahrungen“, sagte er.

Seine erste Erfahrung mit einem Bienenschwarm war sehr schmerzhaft. Als Jugendlicher hat er einen Schwarm in einen Karton eingefangen. Als er ihn nach einer Fahrt mit dem Moped in eine Beute umquartieren wollte, bekam er viele Stiche ab. Seit dem findet er die Arbeit der Züchter der Carnica-Bienen sehr sinnvoll: Sie wählen die friedlichsten und fleißigsten Königinnen aus, ziehen aus ihren Eiern junge Königinnen nach und lassen diese auf einer Belegstelle von Drohnen friedlicher und fleißiger Bienen begatten. Mit seinem Vater Anton züchtet Krieger jedes Jahr rund 4000 Königinnen. Seine Erfahrung und seine ausgefeilte Methode gab er gerne weiter.

„Du musst auf ein paar Sachen aufpassen, sonst funktioniert es nicht“, sagte er. Damit ein Volk aus einem Ei statt einer Arbeiterin eine Königin anzieht, muss das Ei in einer Weiselzelle liegen. Die ist etwas größer und nach unten offenen. Züchter quartieren dazu junge Maden, die nach drei Tagen aus den Eiern geschlupft sind, in künstliche Weiselnäpfchen um. Völker füttern die Maden dann mit Gelee royal und bauen die Zellen ungefähr kleinfingerlang aus. Das funktioniert nur, wenn sie keinen Kontakt zu einer Königin im Volk haben und wenn sie reichlich Futter haben. Krieger legt dazu ein Absperrgitter über den Brutraum und wählt Völker mit einer zwei jährigen Königin aus, die nicht mehr so viele Duftstoffe produziert. Sobald die Weiselnäpfchen im Volk sind, entwickeln sich die Königinnen nach einem strengen Zeitplan: Nach fünf Tagen ist die Weiselzelle verdeckelt, nach acht Tagen schlüpft die Königin aus. Damit sie nicht im Volk herum krabbelt und die anderen Weiselzellen aufbeißt, muss der Züchter rechtzeitig einen kleinen Käfig über die Weiselzelle stülpen.

Der erfahrene Züchter erklärte, wie er die jungen Königinnen dann mit einem Schöpflöffel voller junger Arbeitsbienen in einem kleinen Begattungskästchen auf eine Belegstelle bringt.

Ein bis zwei Wochen nachdem sie geschlüpft ist, fliegt die Königin dann auf ihren Hochzeitsflug und nimmt Samenpakete von bis zu 20 Drohnen auf. Der Samenvorrat reicht dann ein Leben lang. Eine Königin kann bis zu fünf Jahre alt werden. Sie legt in der Hauptsaison zwischen April und Juni jeden Tag bis zu 2000 Eier.

Wenn sich die Völker gut entwickeln, kann man sie teilen. In einem Teil lebt die alte Königin weiter, der zweite Teil bekommt dann eine junge Königin zugesetzt.


Theo Günthner, der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Plattling dankte Krieger für die anschauliche Anleitung. Er bestätigte, wie wichtig die Carnica-Belegstelle im Königswald zwischen Ottmaring und Aholming sei, damit die Imker gute Völker bekämen. Er appellierte an alle Imker im Umkreis von 7,5 Kilometern zu beachten, dass sie nur Carnica Völker der Linie der Belegstelle halten dürfen. Nur so ist gewährleistet dass die Königinnen nach ihrem Besuch auf der Belegstelle friedliche und fleißige Völker begründen können.

 

 

Spurensuche im Bienenvolk

Wenn Imkerinnen und Imker jetzt Anfang April in ihrem Volk Waben finden mit vielen Maden im üppigen Futtersaft und einem breiten gelb-orangen Pollenkranz, wissen Sie, dass sie ihr Volk gut durch den Winter gebracht haben. Auf der Schulung des Bienenzuchtvereins Plattling „Spurensuche im Bienenvolk“ im Infohaus Isarmündung erklärte Erhard Härtl, der staatliche Fachberater für Bienenzucht in Niederbayern, worauf Imker achten müssen, wenn sie auf einen Blick wissen wollen, wie es ihrem Volk geht. In diesen Tagen, Anfang April finden die Bienen in Frühjahrsblüten und den ersten blühenden Bäumen und Sträuchern viel Nektar und Pollen als Nahrung. Einen ersten Höhepunkt erwartet Härtl, wenn jetzt die Kirschbäume blühen. Damit die Völker die Vorräte unterbringen können und nicht gleich der erste Schwarm wegen Platzmangels auszieht, empfahl er, den Völkern genügend Platz zu geben. Anschaulich zeigte er, woran Imker erkennen, dass ein Volk schwärmen will: Nach unten offene Weiselzellen. Manchmal läuft etwas schief im Bienenvolk. Härtl zeigte auch Symptome, die auf Krankheiten und Bienenvergiftungen hinweisen.

Varroabekämpfung mit VarroMed

v.l.: Dominik Hohl, BZV Vorsitzender Theo Günthner, Dr. Martin Hintersteiner stellten ein neues Behandlungsmittel gegen die Varroamilbe vor.
Referenten bei Infoverstaltung

Die Stühle im Infohaus Isarmündung haben nicht ausgereicht, so groß war das Interesse an einer Infoveranstaltung des Bienenzuchtvereins Plattling (BZV) über ein Mittel mit dem man im Frühjahr die Varroamilbe in den Bienenvölkern reduzieren kann. Josef Hasenöhrl, der zweite BZV-Vorsitzende hatte auf dem Berufsimkertag im Herbst auf das neue, EU weit zugelassene Behandlungsmittel kennengelernt und Dominik Hohl und Dr. Martin Hintersteiner gebeten VarroMed in Plattling vorzustellen. VarroMed ist ein Kombinationspräparat mit den bewährten Säuren Ameisensäure und Oxalsäure.

EU-weit zugelassenes Behandlungsmittel

Imker träufeln die Emulsion mit Propolis und Zitronensäure und anderen Bestandteilen auf die Bienen. Im Bienenvolk wirkt es sechs Tage lang und tötet die Varroamilben, die auf den Bienen sitzen und die, die mit der schlüpfenden Brut ins Volk gelangen, ab. Das Zulassungsverfahren sei sehr aufwändig, erklärte Hintersteiner. In Zusammenarbeit mit Bieneninstituten in ganz Europa, etwa an der Uni Hohenheim, mussten sie nachweisen, dass es witterungsunabhängig wirkt, dass die Bienen es gut vertragen und dass es für den, der es ausbringt unschädlich ist.

Um den Befall durch die Varroamilbe so gering zu halten, dass ein Bienenvolk überlebt haben Imker ihre Völker bisher nach dem Abschleudern im Sommer mit Ameisensäure behandelt und während der brutfreien Zeit im Winter mit Milch- oder Oxalsäure. Ameisensäure wird verdampft, wie sie wirkt, hängt von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Um die Varroa im Frühjahr und Frühsommer einzudämmen, blieb ihnen nur übrig, Waben mit Drohnenbrut auszuschneiden oder Ableger zu bilden. Die Milben vermehren sich in den verdeckelten Brutzellen.

sinnvolle Ergänzung: Frühjahrsbehandlung

Als einziges Behandlungsmittel ist VarroMed neben der Sommer – und Winterbehandlung für die Anwendung im Frühjahr zugelassen. Die Behandlung sollte vor der Obstblüte, der ersten großen Tracht, beendet sein.

„Für uns Züchter ist dieses neue Medikament sehr interessant“, sagte Alfred Straubinger. Denn die Züchter, die ausgewählte Völker als Drohnenvölker auf eine Belegstelle bringen, schneiden die Drohnenbrut nicht aus – die Drohnen sollen ja die Königinnen begatten. Und im Sommer haben sich die Varroamilben so stark vermehrt, dass das Volk kaum noch zu retten ist. Alle Milben erwische man in der Winterbehandlung nicht, da sei es gut, wenn es eine Möglichkeit gebe, die Milben noch einmal zu reduzieren, bevor die Zucht los gehe.

Auch Gesundheitswart Franz Britzl sieht in der Frühjahrsbehandlung eine gute Ergänzung zu dem traditionellen Behandlungskonzept.

Manche Winter waren schon so warm, dass die Königinnen den ganzen Winter über Eier gelegt hat und dadurch die Winterbehandlung nur schlecht gewirkt hat.